Kennzahlenentwicklung im Benchmarking

Benchmarking ist besonders im Alltag größerer Unternehmen keine Seltenheit. Unter dem englischen Begriff wird ein direkter Vergleich zwischen mehreren festgelegten Bezugswerten verstanden, der zur Orientierung und Einordnung der eigenen Kennzahlen dienen soll. Das Benchmarking unterstützt die Informationsfunktion beim Controlling, indem nicht nur Kennzahlen in einem Vakuum betrachtet, sondern direkt in Relation zu anderen Marktteilnehmern und direkten Konkurrenten gestellt werden.

Zum Benchmark werden also immer die eigenen Zahlen zu denen von mindestens einem Konkurrenten gegenübergestellt. Gängig sind Benchmarks mit bis zu vier Teilnehmern, wobei die evaluierten Unternehmen sich anhand von Marktanteil und Größe in den gleichen Sphären wie das eigene Unternehmen bewegen sollten. Als kleiner mittelständischer Betrieb ein Benchmark zum Marktführer und international tätigen Unternehmen durchzuführen, hat hingegen wenig Informationswert. Es in Relation zu direkten Konkurrenten durchzuführen, kann jedoch eigene Schwachstellen identifizieren und für mehr Transparenz sorgen.

Eine Weiterentwicklung des klassischen Controllings

Wird kein Benchmarking genutzt, werden die Kennzahlen vom Controlling immer lediglich in einem Vakuum betrachtet. Umsatz, Gewinn, Cash-Flow und Co werden dann zwar ermittelt, jedoch fehlt ohne Benchmarking der Vergleichswert zu verwandten Unternehmen und damit auch eine weiterführende Orientierung. Benchmarking, egal mit welcher Kennzahl, wird im Regelfall als sogenanntes Schattenbenchmark durchgeführt. Bei dieser Version werden Zahlen aus öffentlich einsehbaren Geschäftsberichten entnommen, ohne dass Marktteilnehmer darüber informiert werden, dass ihr Konkurrent sie benchmarkt. Das ist aus rechtlicher Sicht auch nicht notwendig, wenn öffentliche Geschäftsberichte genutzt werden.

Ergebnisse aus dem Benchmark werden im Anschluss genutzt, um eine Bewertung von bestimmten Zuständen durchzuführen. Diese Bewertungen wiederum werden eingesetzt, um strategische und operative Veränderungen im Management und Unternehmensalltag durchzuführen und um sich an Unternehmen angleichen zu können, die in einzelnen Bereichen eine bessere Erfolgskennzahl vorweisen können. Da Benchmarks üblicherweise regelmäßig oder sogar kontinuierlich durchgeführt werden, erfordern sie einen entsprechenden Arbeitsaufwand, besonders wenn mehrere Teilnehmer zum eigenen Unternehmen in Relation gesetzt werden. Daher wird die Praktik vorwiegend von großen und zu Teilen von mittelständischen Unternehmen eingesetzt.

Die richtige Erfolgskennzahl für Benchmarks

Unterschieden wird beim Controlling Benchmark immer zwischen einer absoluten Kennzahl und einer relativen Kennzahl. Eine absolute Erfolgskennzahl wird direkt aus den Datenquellen übernommen beziehungsweise als Summe oder Differenz berechnet. Im Controlling sind gängige Beispiele der Cash-Flow, Umsatz, Gewinn, Mitarbeiteranzahl und die einzelnen Liquiditätsgrade. Auch der EBIT (Einkommen vor Steuern und Zinsen) wird gern für ein Benchmarking gegenüber Konkurrenten genutzt. Kennzahlen wie Gesamtkapitalrendite, Eigenkapitalrendite, ROI und Umsatzrendite sind für ein Rentabilitätsbenchmark empfehlenswert. Bilanzkennzahlen könnten über Werte wie den Verschuldungsgrad, die Fremdkapitalquote, Eigenkapitalquote, Rückstellungsquote und die Anlagenintensität verglichen werden. Das eigene Controlling gibt all diese Werte her, öffentliche Berichte von vergleichenden Unternehmen können genutzt werden, um externe Zahlen in Erfahrung zu bringen.

Eine relative Erfolgskennzahl wird aus dem Verhältnis von zwei absoluten Werten gebildet, weshalb sie umgangssprachlich auch als Verhältniskennzahlen bezeichnet werden. Diese Kennzahl kann in drei Verfahren gebildet werden. Als Kennzahl für den Index, werden zwei gleichartige Größen in ein zeitliches Verhältnis zueinander gesetzt und in Relation zum Index (meist 100) gestellt. Beziehungskennzahlen können genutzt werden, um verschiedenartige Größen miteinander zu vergleichen, beispielsweise den erzielten Umsatz pro Mitarbeiter. Die letzte Variante ist eine Erfolgskennzahl zur Gliederung. Hier werden Teilmengen in Relation zur Gesamtmenge gestellt. Eine Möglichkeit im Controlling wäre, die Erfolgskennzahl Eigenkapital ins Verhältnis zum Gesamtkapital zu setzen.

Unabhängig davon, welches Verfahren eingesetzt und welche Kennzahlen verglichen werden, hilft ein Benchmark immer dabei, eine bestimmte Kennzahl aus dem Controlling besser zu deuten, indem diese in Relation zu marktverwandten Unternehmen gestellt wird.